Dieses Holzschild wurde am 10. April 2005 an der Einmündung der Straße „Am Allerhang" in die Walsroder Straße aufgestellt und soll an die Eitzer Fähre erinnern. 

 

 

 

 

 Diese Fährverbindung, die vom heutigen Gelände des Wasser- und Schifffahrtsamt über die Aller führte, wurde jahrhunderte lang benutzt um das Vieh auf die Weiden der Eitzer Bauern auf der anderen Allerseite zu bringen, bzw. um Heu von dort nach Eitze zu transportieren.Das Schild zeigt eine geschnitzte Darstellung der letzten Fähre und des Fährhauses, das auf der anderen Seite der Gohbachmündung gestanden hat, 1962 aber abgerissen worden ist. Bei dieser Gelegenheit waren auch Dokumente, Fotos und Konstruktionszeichnungen zu sehen, die einen Einblick in die Geschichte der Eitzer Fähre geben.

Zur Feier des Tages gab es nach Jahrzehnten zum ersten Mal die Möglichkeit, die Aller an dieser Stelle zu überqueren, denn das Wasser- und Schifffahrtsamt befuhr mit einem Schiff die historische Fährroute.

Hier noch einige geschichtliche Hintergründe:
Die Geschichte Eitzes ist geprägt durch die Lage des Ortes an der Mündung des Gohbaches in die Aller. Und wo es Flüsse und Bäche gibt, schaffen sich die Bewohner Möglichkeiten, diese zu überwinden, so über den Gohbach durch Furt und Melkerbrücke und über die Aller durch die Eitzer Fähre.
In den vergangenen Jahrhunderten hat die Aller oft ihr Flussbett verlagert. Bedingt durch den starken Wasserzufluss der Leine, Oker und den anderen Flüssen aus dem Harz und dem damit verbundenen Hochwasser sowie durch Stauung der Eisschollen in den Allerschleifen bei Eisgang suchte sich das Wasser immer wieder einen neuen Weg. In unserer Ortschronik steht, dass in einem Schriftstück aus dem Jahre 1572 von einem Allerdurchbruch bei Otersen berichtet wird. Es ist nicht auszuschließen, dass im gleichen Jahr dadurch die guten Weiden des Flurstückes „Eitzer See" vom Dorf Eitze abgetrennt wurden. So muss es schon seit einigen Hundert Jahren Holzfähren über die nun zwischen dem Flurstück „Eitzer See" und dem Dorf Eitze fließende Aller gegeben haben.
Zunächst ist festzuhalten, dass es zwei verschiedene Eitzer Fähren über die Aller gab, eine Personenfähre und eine Tier- und Lastenfähre (Interessenten-Fähre). Die Personenfähre war ein Kahn mit zwei Sitzbrettern. Mit ihm setzte der Fährmann Dorfbewohner, die Bekannte oder Verwandte in den Dörfern auf der anderen Allerseite besuchen wollten, und Feldarbeiter über. Melker, die täglich zu den Kühen auf die andere Allerseite mussten, hatten nach der Ortschronik Eitze ihren eigenen Kahn.
Die Tier- und Lastenfähre diente dazu, das Weidevieh im Frühjahr zu den Wiesen auf der anderen Flussseite zu bringen und im Herbst wieder zurückzuholen, sowie im Sommer große Mengen Heu von dort zu holen. Dieses Heu war für die landwirtschaftlichen Betriebe in Eitze von großer Bedeutung. Die schlecht entwässerten und sauren Moorwiesen in der Umgebung von Eitze ergaben eine schlechte Heuqualität. Das Gras für das Weidevieh und das Heu von den Weiden der anderen Allerseite hatte jedoch durch die düngende Wirkung des Frühjahr-Hochwassers eine gute Qualität. Diese Tatsache findet ihre Bestätigung auch darin, dass verschiedene Bauern aus Weitzmühlen, Kreepen, Brammer usw. Grünland im Allertal besaßen und die Entfernung nicht scheuten.
1709 wurde am Lösch- und Verladeplatz in Eitze eine Anlegestelle für Schiffe ausgebaut. Jetzt konnten hier auch Lastkähne, die die Ziegelsteine der Eitzer Ziegeleibesitzer nach Bremen transportierten, beladen werden oder eine Vieh- und Lastenfähre ohne Stromeinfluss anlegen. 1860 verkaufte die Gemeinde Eitze den Ladeplatz an der Aller für 50 Reichstaler an die Stadt Verden. Die Fährinteressenten durften aber weiterhin den Ladeplatz benutzen.
Während die früheren Eitzer Fähren aus Holz waren, bestand der Fährkörper der letzten beiden Fähren aus Eisen. Die letzte Fähre wurde 1935 auf der Schiffswerft Büsching & Rosemeyer in Uffeln bei Vlotho kielgelegt. Sie war eine Interessenten-Fähre, die zuletzt einer Fährgemeinschaft von 4 Teilhabern aus Eitze (Fritz Heemsoth, Georg Heemsoth, Heinz Wittboldt-Müller, Carsten Oestmann) und 2 Teilhabern aus Luttum (Heinz-Hermann Hoops und Müller, später Bartholomäus) gehörte. Sie war ein Fährprahm von 12 m Länge und 4,30 m Breite, hatte auf beiden Seiten noch 2 m lange Auffahrrampen und besaß eine Tragfähigkeit von 5 Tonnen bei einem halben Meter Tiefgang.
Im Schiffszeugnis der Fähre gab es einige Bedingungen, die in der Praxis allerdings nicht so recht zum Tragen kamen, wie z.B. ein Beiboot, ein Rettungsring, ein Anker und ein höchstzulässiges Gesamtgewicht von 1,5 To (= 3 Stück Großvieh) bei Hochwasser oder 3,3 To (= 5 Stück Großvieh) bei Mittelwasser. In der Regel wurden aber im Frühjahr mit einer Fahrt 8 bis 10 Stück Großvieh übergesetzt, im Herbst allerdings - bedingt durch die Gewichtszunahme der Tiere - weniger. Die Fähre wurde durch die Kraft des Stromes an einem langen Stahlseil, das auf beiden Ufern verankert war, über die Aller geführt. Das Seil war so lang, dass es bei Nichtbenutzung auf Grund lag, um Frachtschiffe ungefährdet passieren lassen zu können. Beim Sommerhochwasser 1956 wurde das Vieh der Eitzer Bauern durch die Eitzer Fähre gerettet, indem der Fährprahm mit dem Motorboot vom Wasser- und Schiffahrtsamt Verden gekoppelt wurde.
Im Winter wurde die Fähre wegen des Eisganges auf der Aller in die Gohbachmündung verholt. Das muss eine anstrengende Aktion gewesen sein, denn wie noch vorhandene Kaufquittungen von Rita Krahn beweisen, musste man sich dabei mit hochprozentigem Alkohol stärken. Im Sommer war die Fähre ein beliebter Treffpunkt für die Eitzer Jugend, die in Ermangelung eines Freibades mit Sprungturm die Aller als Schwimmbecken und die Auffahrrampen der Fähre als Sprungbrett nutzten.
Als man 1960 begann, das Heu von den Allerwiesen mit Treckern über die Verdener Brücken nach Eitze zu holen, ging der Fährbetrieb zurück. Er endete endgültig, als die Bauern dazu übergingen, auch das Weidevieh mit Lastwagen über die Verdener Brücken zu transportieren.
Das Eitzer Fährhaus diente den Fährleuten als Wohnhaus. Es stand gegenüber dem damaligen Schiffsladeplatzes auf der anderen Seite der Gohbachmündung und wurde 1962 abgebrochen.
Aus der langen Geschichte der Eitzer Fährleute gibt es einige Anekdoten. So wurde 1885 der Fährmann Cordes wegen eines unerheblichen Wortwechsels seiner Frau mit F. Heemsoth abgesetzt. Dieser schlug seinen ehemaligen Arbeiter Johann Müller als Nachfolger vor. Dieser „schnapste" gern und wäre einmal bei einer überquerung der Aller fast ertrunken. Einige Interessenten fuhren danach ihre Schafe lieber selbst über die Aller.
Johann Müller und seine Frau Marie waren sehr beliebt. Sie waren fröhliche Menschen und liebten den Gesang. Man nannte ihn Kapitän oder Käppen. Die jungen Eitzer Männer gingen manchmal nach Feierabend zum Fährhaus und verbrachten dort einige fröhliche Stunden bei Gesang und Klönschnack.
Später waren Jacob Rischbode und Hermann Meyer als Fährmänner tätig. über den letzteren erzählt man sich folgende Geschichte: Nachdem eines Morgens seine Frau zum Dienst erschien, fragte man sie, ob ihr Mann krank sei. Sie antwortete: „Heute nacht habe ich ein Kind gekriegt, da musste Hermann aufstehen und die Hebamme holen. Nun muss er sich erst einmal von diesem Nachtgang erholen."
Die letzten Fährleute in Eitze waren Johann und Dora Thieß.

De Aller (W. Bredthauer, Dörverden)

Keen Schipp dampt mehr stroomup, stroomdal.
De Strudel krüseln – alles wör eenmal.
"Haal över, Fährmann!" bölkt keen mehr,
de Fähr is weg, de Stä is leer.

Wat bleev, dat is de grööne Kant
un en den Slengen geeler Sand.
Hochwater drifft dör Wisch un Hecken,
datt Blööme blot den Kopp rutstecken.

An över van den Wichelboom
löst sik een Blatt, fallt in den Stroom.
De Welle nimmts mit sik wiet,
du kiekst ehr na: So lööpt de Tiet